Viele Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, können genau das nicht mehr:
ihre Sexualität lebendig und selbstbestimmt leben.
Eine Grenze, die verschoben wird
Sexuelle Gewalt verletzt nicht nur körperlich, sie verschiebt etwas Grundlegendes in der eigenen Identität.
Der Orgasmus, der „kleine Tod“, ist eine besondere Bewusstseinsebene, in der wir uns über Herz- und Wurzelchakra mit einem anderen Menschen verbinden.
Wird diese Verbindung durch Gewalt missbraucht, ob körperlich oder verbal, gerät genau dieses Fundament ins Wanken.
Das Wurzelchakra, unser Anker, unsere Verbindung zum Boden, wird erschüttert.
Und das betrifft nicht nur Frauen und Mädchen.
Auch Jungen und Männer, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, tragen diese Erschütterung in sich.
Wenn die Seele den Körper verlässt
Es können außerkörperliche Erfahrungen während eines Missbrauchs oder sexueller Gewalt auftreten.
Das lässt sich so verstehen:
Unsere Seele besteht aus Herz, Körper und Geist.
Da wir die traumatische Situation körperlich nicht verlassen können, „verlässt“ oft der Geist, manchmal auch ein Teil der Herzebene, den Körper, um zu schützen, was geschützt werden muss.
Manchmal entsteht dabei sogar das Gefühl, die Situation von außen zu betrachten, als würde sie jemand anderem widerfahren.
Ein zutiefst menschlicher Schutzmechanismus tritt hier ein.
Der Körper erinnert sich
Diese Abspaltung bleibt oft über Jahre oder Jahrzehnte bestehen und mit ihr eine körperliche oder emotionale Verweigerung.
Der Körper und die Seele wollen uns schützen, indem sie eine erneute Verbindung, einen erneuten Austausch verhindern.
Das zeigt sich bei jedem Menschen anders: als Rückzug, als Blockade, als Unfähigkeit, sich fallen zu lassen.
Besonders tiefgreifend ist das bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit, da die eigene Identität dort noch gar nicht gefestigt ist und das Nervensystem besonders empfänglich ist.
Jeder Mensch trägt tief in sich eine ganz eigene Stille, jener Ruhepunkt, den du erreichst, wenn du wirklich bei dir bist.
Und genau dieser Ort fühlt sich dann oft an, als wäre er nicht mehr ganz greifbar. Wie hinter einer Glaswand.
Die Sehnsucht hinter dem Trauma
Auf einer energetischen Ebene lässt sich die Täter-Opfer-Dynamik auch als Austausch verstehen:
Etwas wurde genommen, und im Opfer entsteht eine tiefe Sehnsucht danach, nach dieser verlorenen inneren Stille.
Diese Sehnsucht kann sehr treibend wirken, manchmal auch in Form von sexuellem Verhalten, das unbewusst versucht, das Erlebte zu kompensieren.
Das ist eine völlig legitime Bewältigungsstrategie, auch wenn sie im Nachhinein häufig mit Scham oder Selbstabwertung einhergeht.
Es lohnt sich, diese Muster zu erkennen, ohne sich dafür zu verurteilen.
Hinschauen und bewusst werden
Eine erfüllte, lebendige Sexualität ist auch nach traumatischen Erfahrungen möglich.
Aber sie entsteht nicht von allein. Es braucht die Bereitschaft, hinzuschauen, nicht auf jedes kleine Detail der eigenen Geschichte, aber auf manche Stellen, auch wenn sie wehtun.
Trauma lässt sich nicht wegreden, aber es lässt sich integrieren.
Bildlich gesprochen: Die Verletzung darf „sterben“, zu Asche werden und aus dieser Asche kann neue Kraft wachsen.
Genau hier setzt auch Kundttherapie an: Nicht alles muss in Worte gefasst werden, denn Worte sind Kopf, sind Geist.
Heilung braucht auch Körper und Herz und die bewusste Zusammenführung aller drei Ebenen.
Vertrauen als Fundament
Eine lebendige, hingebungsvolle Sexualität mit Ekstase ist erreichbar.
Die Grundvoraussetzung dafür ist Vertrauen, in sich selbst und in das Gegenüber.
Dieser Weg ist kein leichter, er ist mit Schmerz verbunden. Aber ohne Schmerz gibt es kein Wachstum.
Die eigene Geschichte anzunehmen, auch die schmerzhaften Kapitel, ist Teil dessen, was uns zu dem macht, was wir sind.
Das Leben will erlebt werden mit allem, was dazugehört.


