Oralverkehr & Stellung 69: Kommunikation, Sicherheit & Genuss

25. Juli 2026

Oralverkehr ist eines der Themen, über die viele Paare gefühlt schon alles wissen – und über das trotzdem selten offen gesprochen wird. Dabei entstehen genau in diesem Schweigen die meisten Missverständnisse: falsche Annahmen über Vorlieben, unausgesprochene Grenzen und Muster, die sich über Jahre einschleichen, ohne dass beide Seiten wirklich glücklich damit sind.

In diesem Beitrag schauen wir uns Oralverkehr aus praktischer, kommunikativer und gesundheitlicher Perspektive an – inklusive der Stellung 69, die noch einmal eine ganz eigene Dynamik mitbringt.

Was gehört dazu?

Bei der Frau können Klitoris, Vulva und der vaginale Eingang einbezogen werden. Beim Mann steht zwar meist die Eichel im Fokus, es lässt sich aber der ganze Penisschaft und auch die Hoden mit einbeziehen. Wichtig dabei: Es gibt kein "Standardprogramm", das bei jedem Menschen gleich funktioniert. Genau deshalb beginnt guter Oralverkehr eigentlich schon vor der Berührung, nämlich im Gespräch.

Ehrliche Kommunikation als Grundlage

Jeder neue Partner, jede neue Partnerin fühlt sich anders an. Auch wenn die Technik dieselbe bleibt, gibt es Veränderungen. Und mit jedem neuen Menschen bringen wir eine gewisse Unsicherheit mit. Genau deshalb lohnt es sich, vorher (und auch währenddessen) offen zu sprechen:

- Was magst du, was magst du eher nicht?
- Wie viel Druck ist angenehm – "fest" kann für zwei Menschen sehr Unterschiedliches bedeuten
- Feedback geben, während es passiert: "Das fühlt sich schön an", "etwas mehr nach links", "vielleicht kreisend statt gerade"

Auch Berührungen an empfindlichen Stellen dürfen sich langsam herantasten. Erst die Umgebung erkunden, bevor man sich den hochsensiblen Zonen widmet.

Diese Kommunikation gilt für alle Geschlechter gleichermaßen: Auch als Mann darf man fragen, ob die Hoden mit einbezogen werden dürfen. Und ein Nein ist dabei kein Drama. Es bedeutet nicht, dass ein Wunsch "falsch" oder "eklig" ist. Oft steckt dahinter schlicht Unsicherheit, fehlende Erfahrung oder eine persönliche Grenze, die respektiert werden möchte. Ein Nein, das nicht respektiert wird, kostet Sicherheit und Sicherheit ist die Basis für echte Intimität.

Wenn sich über Jahre ein Muster eingeschlichen hat

Gerade in längeren Beziehungen entstehen oft feste Abläufe: immer dieselbe Reihenfolge, dieselbe Technik, ohne dass je nachgefragt wurde, ob das eigentlich noch (oder je) gepasst hat. Wenn dann irgendwann die ehrliche Kommunikation beginnt und beispielsweise herauskommt, dass eine bestimmte Praktik eigentlich nie richtig gefallen hat, kann das am Ego kratzen. Die Frage "Warum hast du das nicht früher gesagt?" liegt nahe.

Meistens steckt dahinter keine böse Absicht, sondern Rücksichtnahme. Man wollte das Gegenüber nicht verletzen. Hilfreich ist hier eine Haltung von Neugier statt Kränkung: Nach vielen gemeinsamen Jahren noch etwas Neues übereinander zu lernen, ist ein Geschenk, kein Vorwurf. Das verletzte Ego darf dabei ernst genommen werden zum Beispiel, indem man die eigenen Gedanken dazu aufschreibt und sich selbst damit auseinandersetzt, es sollte aber nicht die ehrliche Kommunikation blockieren.

Sicherheit geht vor: STIs und Hygiene

Ein Irrglaube hält sich hartnäckig: Beim Oralverkehr könne "nichts passieren". Tatsächlich lassen sich auch hier sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhoe oder Herpes übertragen, in selteneren Fällen auch HIV. Schon kleine Verletzungen, etwa Zahnfleischbluten, können eine Übertragung begünstigen. Auch eine Rachengonorrhoe wird oft unterschätzt, gerade weil sie häufig symptomlos verläuft.

Was schützt:
- Kondome und Lecktücher
- Regelmäßige STI-Tests, idealerweise einmal jährlich, besonders bei wechselnden Partnern
- Ein Test lässt sich unkompliziert und meist günstiger in einem Labor in der Nähe machen als beim Arzt, ganz ohne Rechtfertigungsdruck
- Auch bei einer neuen, festen Beziehung ist ein gemeinsamer Test ein guter, fürsorglicher Start

Und: Wer den Verdacht hat, dass der Partner oder die Partnerin fremdgeht, sollte sich unabhängig vom eigenen Verhalten testen lassen, das nennt man Selbstfürsorge, kein Misstrauensvotum.

Zum Thema Hygiene: Ein neutraler Eigengeruch ist völlig normal. Unser Körper wählt Partner sogar mit über den Geruch aus, den wir als angenehm oder eher genetisch "gleich" empfinden. Ganz normale Körperhygiene reicht in der Regel völlig aus. Bitte keine Duftstoffe verwenden. Diese können die Haut reizen und können sogar eher störend bei der Intimität sein.

Die Stellung 69: Mehr als nur eine Position

Bei der Stellung 69 verwöhnen sich beide Partner gleichzeitig oral. Das klingt nach maximaler Gegenseitigkeit, kann sich in der Praxis für manche aber eher nach Aufgabe als nach Genuss anfühlen. Ein Grund: Man versucht gleichzeitig, bei der eigenen Erregung zu bleiben und sich voll auf sein Gegenüber zu konzentrieren. Das kann dazu führen, dass man den Kontakt zur eigenen Lust verliert, gerade wenn zusätzlich der Wunsch mitschwingt, dem anderen zu gefallen.

Wichtig zu wissen: 69 ist energetisch eine besondere Position. Bei der zum Beispiel penetrativen Verbindung sind es die Wurzelchakren, über die Urvertrauen und Verbindung entstehen. Bei 69 hingegen findet gleichzeitiges Geben und Nehmen statt. Bei sich selbst bleiben und gleichzeitig für sein Gegenüber da sein und das ohne Blickkontakt. Das macht die Stellung intensiv und schwer greifbar für beide Personen und ist eben auch nicht für jeden passend.

Besonders bei Menschen, die traumatische oder verletzende sexuelle Erfahrungen mitbringen, kann 69 ein Triggerpunkt sein. Deshalb gilt hier noch mehr als sonst: vorher darüber sprechen, statt vorauszusetzen. Und die einfache, aber wichtige Frage an sich selbst: "Mag ich das wirklich oder möchte ich einfach gefallen?"

Grenzen sind nicht verhandelbar

Ein Nein bleibt ein Nein, unabhängig davon, was der Partner gerade tut oder nicht tut. Sexualität ist kein Tauschgeschäft nach dem Prinzip "ich mache das bei dir, also machst du das bei mir". Diese Haltung führt schnell zu Grenzüberschreitungen. Die zugrunde liegende Haltung sollte immer sein: Intimität bedeutet, die Würde des Menschen zu respektieren und zu bewahren.

Auch abwertende Kommentare während sind ein klares Stoppsignal. Niemand muss sich in irgendeinem Moment und schon garnicht bei solch einer hohen Verletzlichkeit herabwürdigen lassen.

Fazit

Oralverkehr, ob klassisch oder als 69, lebt vor allem von einer Sache: ehrlicher, wertschätzender Kommunikation. Wer offen über Vorlieben, Grenzen und Unsicherheiten spricht, schafft den sicheren Rahmen, in dem Lust und Nähe überhaupt erst entstehen können.

Dieser Beitrag basiert auf einer Folge meines Podcasts
"Lilith und der kleine Tod". Die vollständige Episode findest du unter anderem auf Spotify & YouTube

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