Körperflüssigkeiten und Körpergeräusche beim Sex

9. September 2026

Coitale Inkontinenz

Ein ungewollter Urinverlust während oder kurz nach dem Geschlechtsverkehr wird als coitale Inkontinenz bezeichnet. Beide Geschlechter können davon betroffen sein.
Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Das hängt unter anderem mit Schwangerschaften / Geburt und Wechseljahren zusammen. Auch das Bindegewebe von Frauen unterscheidet sich von dem der Männer. Dadurch kann die Beckenbodenmuskulatur im Laufe der Zeit mehr nachlassen, als gewollt.

Beim Sex wird der Beckenbereich stark durchblutet und stimuliert. Dieser Reiz kann die Blase dazu anregen, sich teilweise zu entleeren. Dabei werden meist nur kleine Mengen Urin unkontrolliert abgegeben. Auch die Penetration übt mechanischen Druck auf Blase und Harnröhre aus. Manche Stellungen erhöhen diesen Druck stärker als andere. Beim Orgasmus entspannt sich zusätzlich die Beckenbodenmuskulatur und dies kann den Kontrollverlust verstärken.

Coitale Inkontinenz ist eine Form der Belastungsinkontinenz. Diese tritt auch beim Husten, Niesen oder Lachen auf. Männer sind ebenfalls betroffen, besonders bei einer vergrößerten Prostata. Auch nach einer Behandlung von Prostatakrebs kann Inkontinenz auftreten.

Umgang mit Inkontinenz

Einlagen können den unkontrollierten Urinverlust auffangen. Auch kleine Urintröpfchen können einen Geruch verursachen, dafür gibt es spezielle Urinvorlagen. Bei ersten Anzeichen von Inkontinenz hilft ein Beckenbodentraining. Entsprechende Übungen sind frei zugänglich und lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Zudem kann sich ein trainierter Beckenboden positiv auf die Sexualität auswirken. Bei stärker ausgeprägter Inkontinenz empfiehlt es sich einen Urologen aufzusuchen. Ohne Behandlung kann sich die Symptomatik über die Jahre verstärken.

Offene Kommunikation mit dem Partner oder der Partnerin spielt eine Rolle. Ohne Gespräch entstehen leicht Missverständnisse auf beiden Seiten. Auch praktische Lösungen wie eine Inkontinenzauflage auf dem Bett können helfen.

Pupsgeräusche

Während des Sex entsteht im Körper mitunter erhöhter Druck. Bewegungen und Muskelkontraktionen können dazu führen, dass Luft aus dem Körper entweicht.
Ob vorher gegessen wurde oder der Magen leer ist, kann diesen Effekt beeinflussen. Ein zurückhalten aus Schamgefühl ist überhaupt nicht nötig. Vielmehr mit Humor nehmen und gemeinsam Lachen.

Ein sogenannter vaginaler Pups kann während des Sex auftreten. Bei der Penetration gelangt Luft in die Vagina. Beim Herausgleiten von Penis, Finger oder Toy entweicht diese Luft wieder. Dabei entsteht ein Geräusch, das an einen Pups erinnert. Dieser Effekt kann auch bei schnellen Bewegungen oder Positionswechseln auftreten. Man kennt diese Geräusche vielleicht auch schon vom Yoga oder bei Kniebeugen.
Ein offenes Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin über dieses Thema kann Sicherheit schaffen. Wird das Thema vorher angesprochen, sinkt oft die Anspannung während des Sex.

Männliches Ejakulat

Manche Menschen haben ein unangenehmes Gefühl gegenüber dem männlichen Ejakulat. Sie empfinden diese Körperflüssigkeit als z. B. eklig.
Bei penetrativem Sex können Kondome eine Option sein, das Ejakulat im direkten Kontakt zu vermeiden.
Auch beim Oralverkehr wird der Umgang mit dem Ejakulat unterschiedlich empfunden. Persönliche Grenzen und Wünsche lassen sich am besten im Gespräch klären.
Dabei können sich Vorlieben im Laufe der Zeit durchaus verändern. Wichtig ist dabei der respektvolle, gegenseitige Umgang und dem Sex gerne immer wieder mit einer Neugierde zu begegnen.

Weibliches Ejakulat und Squirting

Das weibliche Ejakulat und Squirting werden oft verwechselt, unterscheiden sich aber.
Das weibliche Ejakulat stammt aus den sogenannten Skene-Drüsen (Paraurethraldrüsen) im Bereich des G Punkts. Die Menge liegt meist bei bis zu fünf Millilitern.

Beim Squirting wird deutlich mehr Flüssigkeit abgegeben, etwa 60 bis 100 Milliliter. Diese Flüssigkeit stammt teilweise aus der Blase und teilweise aus den Skene-Drüsen. Es handelt sich dabei um stark verdünnten Urin. Grundsätzlich ist jede Frau körperlich zum Squirting in der Lage. Es handelt sich jedoch nicht um eine notwendige Fähigkeit.

Die Stimulation der Skene-Drüsen kann sich zunächst ungewohnt anfühlen. Ähnliche Effekte sind auch bei der Stimulation der Prostata beim Mann bekannt. Eine entspannte und vertraute Umgebung kann diesen Prozess erleichtern. Auch das Gefühl, aufs Klo zu müssen, kann während der Stimulation auftreten und ist völlig normal.
Fühle in das Geschehen hinein. Dein Partner kann dir immer wieder verbale Sicherheit geben, dass alles was kommt vollkommen ok ist. Und auch hier können Auflagen praktisch sein.

Noch mehr Impulse zu diesem Thema findest du in meinem Podcast.

Dieser Beitrag basiert auf einer Folge meines Podcasts
"Lilith und der kleine Tod". Die vollständige Episode findest du unter anderem auf Spotify & YouTube

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