Warum wir beim Orgasmus tiefer schauen müssen
Über den weiblichen Orgasmus lässt sich vieles im Internet nachlesen: Anatomie, Techniken, Statistiken.
Was dabei aber häufig zu kurz kommt, ist die emotionale Ebene.
Es geht nicht darum, noch eine weitere Anleitung zu liefern, sondern darum, zu verstehen, warum weibliche Lust so eng mit Urvertrauen, Verletzung und Bewusstsein verwoben ist.
Das Wurzelchakra als Ausgangspunkt
Wie schon beim männlichen Orgasmus spielt auch bei der Frau das Wurzelchakra eine zentrale Rolle.
Es steht für unser Urvertrauen und dieses Urvertrauen ist bei vielen Frauen historisch und individuell verletzt.
Durch patriarchale Prägung, durch Erziehung und /oder durch eigene traumatische Erfahrungen.
Ein Großteil der Frauen trägt solche Verletzungen in sich, oft unbewusst.
Das erschwert den Zugang zur eigenen Schöpferkraft und zur sexuellen Energie.
Die gute Nachricht:
Aus genau diesen Verletzungen lässt sich enorme Kraft schöpfen, vorausgesetzt, wir schauen bewusst hin, statt sie zu verdrängen.
Es ist ein Weg des Bewusstwerdens, bei dem wir das, was im Unterbewusstsein wirkt, Stück für Stück ans Licht holen.
Warum Spielzeuge die natürliche Empfindung verändern können
Viele Frauen tun sich schwer, auf „natürliche“ Weise, also ohne Hilfsmittel, zum Orgasmus zu kommen.
Ein Grund dafür kann Konditionierung sein: Vibration und die Haptik von Sexspielzeugen unterscheiden sich stark von menschlicher Berührung.
Wer sich an intensive Reize gewöhnt, braucht mitunter immer stärkere Reize, um überhaupt etwas zu spüren und das ist nicht natürliche.
Ein bewusster Verzicht auf Spielzeuge, zumindest zeitweise, kann helfen, die eigene Sensibilität neu zu entdecken.
Der erste Schritt dahin: die eigenen Hände.
Die eigene Körperlandschaftskarte erstellen
Ein gutes Werkzeug zur Bewusstwerdung ist die Körperlandschaftskarte:
Mit den eigenen Händen den ganzen Körper erkunden, auch Vulva und Vagina.
Erspüre, wie sich unterschiedliche Berührungen anfühlen. Fester, leichter, kneifend, massierend.
Ein Spiegel kann dabei helfen, die eigene Vulva und Vagina überhaupt erst kennenzulernen.
Etwas, das erstaunlich vielen Frauen fremd ist.
Diese Selbsterkundung ist die Grundlage dafür, sich später auch von einem Gegenüber erkunden zu lassen und gemeinsam eine partnerschaftliche Landschaftskarte zu entwickeln.
Wichtig dabei: Diese „Karte“ ist kein starres Regelwerk, sondern ein Leitfaden, der im Hier und Jetzt immer wieder neu abgeglichen werden darf, über offene Kommunikation statt starrer Erwartungen.
Herzöffnung als Schlüssel zur Öffnung
Frauen sind stark mit dem Herzchakra verbunden, intuitiv und empathisch.
Damit sich diese Verbindung auch sexuell entfalten kann, muss der Kopf, das ständige Denken, erst einmal zur Ruhe kommen.
Massagen und Streicheleinheiten, die zunächst den Oberkörper einbeziehen, können dabei helfen, diese Herzöffnung zu fördern.
Erst wenn diese Öffnung da ist, folgt meist auch die körperliche:
Die Frau wird weicher, zugänglicher, feuchter. Eine Grundlage für eine schmerzfreie Penetration.
Schmerzen beim Sex hängen häufig mit Verkrampfung zusammen.
Diese können aus unverarbeiteten Verletzungen im Wurzelchakra resultieren.
Grenzen ernst nehmen, auch die kleinen
Ein wichtiger Punkt:
Schmerz ist ein Signal des Körpers und keine Kleinigkeit, über die man hinweggehen sollte.
Wird ein Schmerzsignal wiederholt ignoriert, kann sich das immer weiter im Wurzelchakra manifestieren.
Die eigene Grenze zu spüren und zu wahren, ist ein Akt der Selbstliebe und Teil desselben Kreislaufs aus Urvertrauen und Wurzelchakra-Arbeit.
Heilung braucht Zeit. Wenn eine Problematik seit Jahren besteht, darf auch der Heilungsprozess entsprechend Raum bekommen.
Der Orgasmus als gemeinsamer Energiekreislauf
Wenn Herzöffnung, Körperbewusstsein und Sicherheit zusammenkommen, entsteht Raum für unterschiedlichste Formen von Lust, auch für mehrere Orgasmen, bei beiden Geschlechtern.
In diesem Bild fließt Energie vom Geist über das Herz bis ins Wurzelchakra, wird beim Eindringen vom Partner aufgenommen, durch dessen Chakren – besonders das oft verschlossene Herzchakra – geleitet und wieder zurückgegeben. Ein Kreislauf, der genau in diesem Moment der Verbundenheit gipfelt: dem „kleinen Tod“.
Nicht jede Frau muss alles „können“
Ob vaginaler Orgasmus, Orgasmus durch Klitorisstimulation oder auch das Squirting (die weibliche Ejakulation).
All das lässt sich nicht „erlernen“ wie eine Technik, auch wenn es entsprechende Workshops gibt.
Es geht nicht um Leistung oder Erwartung an sich selbst, sondern darum, in echter Verbundenheit mit sich selbst und dem Körper zu sein.
Wer sich vom Druck löst, kommen zu „müssen“, schafft oft erst den Raum, in dem Lust sich frei entfalten kann.
Fazit
Der weibliche Orgasmus ist kein rein körperliches Ereignis, das sich über die richtige Technik „herstellen“ lässt.
Er ist eng verknüpft mit Urvertrauen, Sicherheit, Herzöffnung und der Bereitschaft, den eigenen Körper, mit all seinen Verletzungen und seiner Kraft, bewusst kennenzulernen.
Der erste Schritt beginnt oft ganz einfach: mit den eigenen Händen, einem Spiegel und der Neugier, sich selbst neu zu begegnen.


