Wie sprechen Paare über Analverkehr, wenn kaum jemand offen darüber redet?
Laut Studie haben 36 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer im Alter von 25 bis 44 Jahren schon Analverkehr praktiziert. Trotzdem bleibt das Thema stark schambehaftet. Bei Fragen nach passivem Analverkehr wählen viele Befragte die Antwort keine Angabe.
In heterosexuellen Partnerschaften kommt das Thema meist erst nach einer gewissen Vertrautheit zur Sprache.
In kurzfristigen Bekanntschaften wird es seltener angesprochen.
Der Unterschied
Analverkehr unterscheidet sich vom vaginalen Verkehr in mehreren Punkten. Die beteiligten Nerven und die Körperregion sind andere. Die Vagina produziert von selbst Feuchtigkeit, die anale Schleimhaut nicht. Die Schleimhaut am Anus ist zudem dünner und empfindlicher.
Wenn ein Partner den Wunsch nach Analverkehr äußert, ist ein offenes Gespräch der erste Schritt. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle.
Hat die Partnerin bereits Erfahrung damit?
Gab es frühere negative Erlebnisse?
Auch Größe und Umfang des Penis können die Situation beeinflussen.
Ein Wunsch muss nicht sofort erfüllt werden. Die Partnerin darf sich Zeit nehmen oder auch grundsätzlich ablehnen.
Was es braucht
Wird gemeinsam entschieden, Analverkehr auszuprobieren, sind Zeit und Entspannung wichtige Voraussetzungen.
Zudem ist ausreichend Gleitgel von Beginn an ratsam. Dies macht das einführen und den Akt an sich reduziert genussvoller.
Ein langsames Herantasten, zunächst mit dem Finger, hilft besonders beim ersten Mal. Abgesehen davon, ist eine durchgehende Kommunikation während des Aktes empfehlenswert. Das Empfinden kann sich von einem Moment zum nächsten ändern kann.
Etwas unangenehm, muss aber erwähnt werden
Auch Hämorrhoiden gehören in diesen Zusammenhang. Sie betreffen Frauen genauso wie Männer. Es handelt sich um ein arteriovenöses Gefäßpolster am Übergang vom Enddarm zum Analkanal, das der Feinabdichtung des Darmausgangs dient. Mit zunehmendem Alter, etwa durch eine Bindegewebsschwäche in den Wechseljahren, kann dieses Gewebe absinken. Dadurch steigt das Verletzungsrisiko beim Analverkehr.
Erste Anzeichen sind ein leichtes Jucken oder ein kleinster Blutstropfen nach dem Stuhlgang. Bei solchen Symptomen oder stärkeren Ausprägungen, wird empfohlen, einen Proktologen aufzusuchen. Anstatt auf freiverkäufliche Salben zurückzugreifen, ist eine frühzeitige Behandlung oft die angenehmere Lösung.
Sexualität verändert sich
Verändern sich Wünsche oder Vorlieben innerhalb einer Partnerschaft, kann das mehrere Ursachen haben. Frühere unangenehme Erfahrungen, körperliche Beschwerden oder eine veränderte sexuelle Anziehung sind mögliche Gründe. Ein regelmäßiger, bewusster Austausch über Intimität kann helfen, solche Veränderungen zu verstehen.
STI´s
Sexuell übertragbare Krankheiten sind auch bei Analverkehr ein Thema. Durch die dünnere Schleimhaut steigt das Übertragungsrisiko für HIV im Vergleich zum vaginalen Verkehr. Auch Hepatitis B, Hepatitis C, Gonorrhoe und Syphilis (etc.) können übertragen werden.
Kondome senken dieses Risiko deutlich. Dabei sollte wasserbasiertes oder silikonbasiertes Gleitgel verwendet werden, da ölhaltige Produkte Latexkondome porös machen.
Die Prostatamassage
Ein weiteres Thema ist die Prostatamassage. Die Prostata liegt unterhalb der Blase und umgibt einen Teil der Harnröhre. Erreichbar ist sie über die vordere Rektumwand vom Enddarm aus.
Bei der Durchführung mit dem Finger sind kurze, glatte Fingernägel wichtig. Dabei kann ein Handschuh verwendet werden. Auch hier gilt wasserbasiertes oder silikonbasiertes Gleitgel als geeignet.
Für viele Männer ist das Thema mit gesellschaftlicher Prägung verbunden. Die Stimulation wird teilweise als ungewohnt oder zunächst unangenehm empfunden. Mit wiederholter, vorsichtiger Annäherung kann sich diese Wahrnehmung verändern. Ein Orgasmus ist dabei kein zwingendes Ziel. Ob und wie sich das Empfinden entwickelt, ist individuell verschieden.
Wenn ungewohnte Körperregionen plötzlich berührt und sogar massiert werden, muss sich auch erst einmal diese Region daran gewöhnen.
Deshald, seht diese Massage als Forschungsreise, die euch in eine neue orgasmische Dimension führen kann. Nichts ist ein muss und alles darf sein.

