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Kindheitstrauma und Nähe

Die stille Prägung -Wie wir zu unserer eigenen Geschichte kommen

Die stille Prägung: Wie wir zu unserer eigenen Geschichte kommen

Wie wirkt sich das Kindheitstrauma sexueller Missbrauch auf Nähe aus?
Dieser Beitrag behandelt sexuellen Missbrauch in der Kindheit.
Bitte achte beim Lesen gut auf dich und pausiere, wenn es dich zu sehr aufwühlt.

Warum fühlt sich Nähe manchmal an, als stünde ein Teil von einem selbst hinter einer Glaswand?

Viele Menschen kennen dieses Gefühl. Sie wünschen sich Hingabe und spüren doch eine unsichtbare Grenze. Bei manchen hat das mit einer frühen Verletzung zu tun. Sexueller Missbrauch in der Kindheit wirkt oft leise und über viele Jahre. Wie diese Prägung entsteht und wie ein bewusster Umgang damit möglich sein kann.

Zwei Erfahrungen im selben Körper

Wenn du sexuellen Missbrauch in deiner Kindheit erlebt hast, kann es gut möglich sein, dass dies deine erste sexuelle Erfahrung war. Das ist besonders prägsam für die weiter Sexualität. Später kommen andere Erfahrungen dazu: die erste Verliebtheit, der erste Kuss, freiwillige und schöne Begegnungen. Beides wird im selben, sich entwickelnden Nervensystem verarbeitet und das in einer Zeit, in der emotionale und sexuelle Prägungen erstmals Gestalt annehmen. Deshalb lassen sich die schönen Erfahrungen nicht immer so greifen, wie man es sich wünscht. Es entsteht eine Ambivalenz, die schwer zu benennen ist.

Die Glaswand

Manche beschreiben es so: Die Lust ist da, der Wunsch nach Verbindung auch. Trotzdem fühlt es sich an, als lasse ein Teil von ihnen etwas über sich ergehen. Diese Glaswand ist wie eine Schutzgrenze, die einmal notwendig für dich war. Manche Partnerinnen oder Partner kann das verunsichern. Es hat nichts mit fehlender Zuneigung zu tun. Sondern ein Teil des Menschen ist einfach noch damit beschäftigt, sich zu schützen.

Warum ein Kind das nicht einordnen kann

Ein Kind hat noch nicht die kognitiven und sprachlichen Mittel, um so widersprüchliche Erfahrungen zu sortieren. Als Kind gilt hier jeder Mensch bis 18 Jahre. Außerdem leugnen Täter den sexuellen Charakter der Handlung häufig. So fehlt die Möglichkeit, das Geschehene zu begreifen. Meist wird das Kind zusätzlich zum Schweigen verpflichtet. All das erschwert die Einordnung des Missbrauchs.

Wenn die Verletzung von einer nahen Person ausgeht

Oft geht der Missbrauch von einer Bezugsperson aus. Das Kind braucht diese Person zum Überleben. Es darf die Bindung nicht gefährden und schweigt deshalb.
Wird ein Kind von jemandem verletzt, von dem es abhängig ist, bleibt ein großer Teil der Erfahrung im Unterbewusstsein. Das Kind ist die ganze Zeit im Überlebensmodus.
Es muss jegliche Tat die mit dem Missbrauch zu tun hat verdrängen, um weiter leben zu können. Später zeigen sich solche Dynamiken als Bindungsmustern, die sich im Erwachsenenalter weiter verfestigen.

Liebe, Nähe und Grenzen

Eine mögliche Folge ist, dass Liebe und Sexualität verwechselt werden. Kam Zuwendung früher über den Körper als Missbrauch, wird Nähe später oft darüber gesucht.
Dahinter steht der Gedanke: Ich werde geliebt, wenn ich verfügbar bin, nicht um meiner selbst willen. Manchmal dient Sexualität auch unbewusst dazu, Gefühle zu regulieren.
Unter der Lust liegt dann ein anderes Gefühl, das beruhigt werden möchte.

Zudem sind die eigenen Grenzen betroffen. Missbrauch ist eine massive Grenzverletzung.
Wer erlebt hat, dass die eigene Grenze nicht zählt, spürt sie später oft nur schwer.
Manchmal entstehen Beziehungsdynamiken, in denen Grenzen erneut überschritten werden.
Es kann sich lohnen, frühere Beziehungen behutsam anzuschauen.
Welche Grenzen wurden dort immer wieder verletzt?
Welche Grenze verschiebe ich immer wieder, um … zu werden?

Wenn sich Erfahrungen wiederholen

Die Forschung kennt dieses Phänomen als Reviktimisierung. Sexuelle Gewalt in der Kindheit erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter erneut Gewalt zu erleben.
Kommt körperliche Misshandlung hinzu, steigt das Risiko weiter.
Es handelt sich um ein erhöhtes Risiko, nicht um ein Schicksal.
Menschen beschämen sich in solchen Momenten oft selbst. Sie denken, sie hätten nichts Besseres verdient. Das stimmt nicht.
Wiederkehrende Situationen können auch eine Einladung sein, noch einmal hinzuschauen und Grenzen neu zu ziehen.

Bewusst werden als Anfang

Verändern lässt sich nur, was bewusst geworden ist. Die Vergangenheit bleibt, wie sie war. Sie gehört zur eigenen Geschichte und darf da sein.
Das Annehmen ist ein Prozess aus vielen kleinen Schritten. Manchmal fühlt sich ein Schritt wie ein Rückschritt an. Meist ist er aber keiner.
Aufschreiben und Malen helfen dabei. Ein Bild entsteht über Zeit und macht den Prozess sichtbar.
So lassen sich kleine Fortschritte später wiederfinden. Selbst Unterbewusstes, das übermalt wurde, war einmal sichtbar und ist bewusst wahrgenommen worden.

Der Blick der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die TCM ordnet die Sexualität dem Funktionskreis Niere zu, also dem Element Wasser. Die Niere speichert das Jing, die Essenz. Sie steht für Wachstum, Fortpflanzung und sexuelle Vitalität.
Wird diese Schöpferkraft früh verletzt, kann das die Nierenenergie belasten. Die zugehörige Emotion ist die Angst.
Unverarbeitete Angst zeigt sich dann als Erschöpfung, Rückzug oder als Schwierigkeit, sich fallen zu lassen.
Die Niere trägt außerdem die Willenskraft. Das Tor des Lebens, Mingmen, steht für die Fähigkeit, Grenzen zu setzen. Hier schließt sich der Kreis zum Thema Grenzen.

Ein Blick auf das Element Holz und die Leber lohnt sich ebenfalls. Die Leber sorgt für den freien Fluss von Qi und Blut, auch im sexuellen Bereich. Unterdrückte Wut und Frustration können diesen Fluss blockieren. Dann fällt es schwer, Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Wasser nährt das Holz, und Holz nährt das Feuer, das für Liebe und Lebendigkeit steht.

Der Blick der Astrologie

Lilith steht für das Verdrängte, Tabuisierte und Abgespaltene. Sie steht aber auch für Lebendigkeit und Autonomie. Diese Energie trägt jeder Mensch in sich, auch jeder Mann. Bezogen auf ein sexuelles Trauma zeigt Lilith auf das, was verschwiegen wurde. Die Wunde lässt sich nicht beseitigen. Sie lässt sich aber anschauen, und das ist ein Akt der Selbstachtung.
Daraus kann Kraft wachsen: klare Grenzen, Autonomie und mehr Lebendigkeit in der eigenen Geschichte.

Pluto steht für Sterben und Werden, für Transformation. Er fragt: Was wurde unterdrückt, was liegt in der Tiefe?
Dabei muss nicht alles immer wieder durchgekaut werden. Die ganze Geschichte darf jedoch bewusst werden.
Transite, bei denen Planeten auf das Geburtshoroskop treffen, können solche Prozesse aktivieren. Sie zeigen Zeitfenster für Veränderung. Transformation braucht die Bereitschaft, auch Unbequemes auszuhalten. Begleitung kann dabei Sicherheit geben, doch die Schritte geht jeder Mensch selbst.

Die eigene Geschichte weiterschreiben

Wer seine Grenzen kennenlernt, darf sie jeden Tag neu setzen. Auch alten Grenzen, die nicht mehr passen, dürfen fallen. Bedürfnisse dürfen gezeigt werden und deine Meinung darf sich ändern.
Wer für sich einsteht, zeigt anderen Menschen damit Grenzen auf und achtet sich Selbst.

Dabei hilft auch Gnade sich selbst gegenüber. Denn Gnade heißt sich selber lieben. Wo Muster bewusst werden, kann Sexualität zu einem Ausdruck bewusster Wahl werden.
Deine Geschichte von gestern bleibt bestehen. Deine Geschichte von Morgen lässt sich aktiv von dir gestalten. Jeder Mensch ist hier, um Geschichte zu schreiben.

Ivana Hoffmanns Heilpraktikerin

Zur Folge

Lilith und der kleine Tod

Diesen Beitrag gibt es auch zum hören.

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