Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir etwas getan, oder eben nicht getan haben, das unserem tiefsten inneren Wertesystem widerspricht?
Bin ich danach überhaupt noch derselbe Mensch?
Und was, wenn dieser Bruch nicht heilen, sondern nur begleitet werden kann?
In diesem ersten Teil geht es darum, zu verstehen, was Moral Injury überhaupt ist, und wo sie sich von der PTBS unterscheidet.
Was ist Moral Injury?
Moral Injury entsteht durch das Erleben oder Begehen von Taten, die dem eigenen innersten Wertesystem widersprechen.
Das moralische Selbstbild wird erschüttert, manchmal sogar verraten.
Sei es, weil man nicht gehandelt hat, wie man eigentlich wollte, weil man etwas unterlassen hat, oder weil man Zeuge von etwas wurde, das dem eigenen Wertesystem komplett widerspricht.
Moral bzw. das Wertesystem, hat immer etwas mit Spiritualität zu tun hat.
Deshalb reicht eine rein schulmedizinische, psychotherapeutische Versorgung hier oft nicht aus.
Bei der Moral Injury braucht es deshalb auch spirituelle Begleitung.
Wer kann betroffen sein?
Grundsätzlich kann jeder Mensch betroffen sein, doch es gibt Berufsgruppen, bei denen sich das Phänomen besonders häufig zeigt: Pflegefachkräfte, Ärztinnen und Ärzte, PsychotherapeutInnen, Menschen im Rettungsdienst, in sozialen Berufen, bei der Polizei. Vor allem aber auch Menschen beim Militär. Hier liegt auch der Ursprung der Forschung, bei US-amerikanischen Kriegsveteranen aus dem Vietnamkrieg.
Auch Überlebende von sexuellem Missbrauch können von einer moralischen Verletzung betroffen sein, weil sie oft eine komplexe Opfer-Täter-Dynamik in sich tragen.
Wo liegt der Unterschied zur PTBS?
Eine PTBS entsteht durch eine extreme Bedrohung von Leben oder körperlicher Unversehrtheit.
Im Vordergrund steht die Angst, begleitet von Flashbacks, Vermeidungsverhalten, sich aufdrängenden Erinnerungen und einer anhaltenden Übererregung des autonomen Nervensystems.
Jener Teil unseres Nervensystems, den wir nicht willentlich steuern können, wie Atmung, Herzschlag oder Verdauung.
Bei der Moral Injury steht etwas anderes im Zentrum:
die Schuld. Dazu Scham, Rückzug, Ekel, Selbstverachtung, Zorn und ein Verlust des Selbstvertrauens.
Man vertraut sich selbst nicht mehr, weil der eigene moralische Kompass zerstört scheint.
Auch ein massiver Verlust an Sinnhaftigkeit von sich selber, aber auch von der Welt.
Beide Zustände, PTBS und Moral injury, können sich auch überlappen, das eine schließt das andere nicht aus.
Zusammengefasst:
PTBS
– das primäre Gefühl – Angst und Bedrohung bei der
– Ursache – in der Hilflosigkeit gegenüber einer Katastrophe oder Lebensbedrohung
– Selbstbild – richtet sich der Fokus auf das eigene Versagen im Schutz vor Gefahr
– ein Gedanke: Ich war in Gefahr und konnte nichts tun.
Moral Injury
– das primäre Gefühl – Schuld, Scham und moralische Orientierungslosigkeit
– Ursache – Verstoß gegen das eigene Wertefundament
– Selbstbild – auf den Verlust des Status als vollwertiger moralischer Mensch.
– ein Gedanke:
Ich habe etwas zutiefst Verwerfliches getan oder gesehen, bin ich überhaupt noch ein guter Mensch?
Der Blick der TCM: Das Element Wasser
Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Emotionen Bewegung.
Sie korrespondieren mit bestimmten Organfunktionskreisen und Elementen.
Bei der Moral Injury zeigt sich ein Muster aus existenzieller Angst, Scham, Schuld, Zorn und Trauer über den Verlust des Fundaments.
In diesen Beitrag kommen wir zum Element Wasser, zu Niere und Blase.
Der Verlust des Fundaments, das Urvertrauen in uns, wird genau dort beherbergt.
Die Funktionen auf der Ebene der Essenz betrachtet: sitzen hier die Lebensenergie, die Schöpferkraft, die Sexualenergie.
Auf der Ebene des Willens sitzen Durchhaltevermögen und Entschlossenheit.
Hier ist die Wurzel des Qi. Die Energie mit der wir geboren worden.
Bei der Moral Injury wird dieses Urvertrauen extrem erschüttert.
Normalerweise fühlt sich die Welt für uns sicher an, gerecht, sinnvoll.
Durch diese Erschütterung ist das plötzlich nicht mehr da.
So kann auch der Sinn des Lebens selbst ins Wanken geraten.
Der Blick der Astrologie: Der Mond als Wegweiser
Wir sind energetische Wesen. Unser Körper produziert täglich unzähliges ATP, das ist Energie ohne dieses würden wir nicht leben.
Alles auf diesem Planeten ist Energie, nur unterschiedlich materialisiert.
Der Mond hat Einfluss auf die Meere und somit auch auf den Menschen.
Schließlich bestehen wir aus bis zu 60% aus Wasser.
Wenn der Mond Wasser beeinflusst, lässt sich schwer behaupten, dass er auf ein Lebewesen, das selbst größtenteils aus Wasser besteht, keinerlei Einfluss hat.
Astrologie ist wie ein spiritueller Guide und kein Schicksal.
Sie sagt nicht, dass etwas Bestimmtes passieren muss oder dass man „so oder so“ ist.
Sie zeigt Qualitäten, die wir vom Universum mitbekommen haben, ebenso wie die Schwellen und Hindernisse, die zu unserem Leben gehören.
Wir sind hier, um diese Hindernisse zu leben, sie aufzulösen oder mit ihnen leben zu lernen.
Gerade bei der Moral Injury, wenn Halt und Orientierung fehlen, kann das ein sehr guter Weg sein, der uns Möglichkeiten aufweist.
Nichts wird repariert
Bei der Moral Injury geht es nicht darum, etwas zu reparieren.
Es ist kein Fehler, den man wegradiert. Vergleichbar mit einer Software, die immer wieder denselben Fehlercode sendet.
Egal, was daran verändert wird, er verschwindet nicht einfach.
Es geht darum, eine Beziehung zur eigenen Geschichte zu finden.
Wo wurde jemand erschüttert?
Welche inneren Richter sind aktiv? Wo findet sich Halt, wo Unterstützung?
Exemplarisch lohnt sich hier der Blick auf den Mond.
Er agiert im Erwachsenenalter aus dem Unterbewusstsein heraus, also sehr subtil.
Bis zum siebten Lebensjahr wird die Mondenergie noch ganz direkt gelebt, danach zieht sie sich ins Unterbewusstsein zurück.
Der Mond steht für unser Zuhause, für Sicherheitsgefühl, für Geborgenheit.
Etwas, was bei der Moral Injury verloren geht.
Er zeigt über Zeichen, Haus und Aspekte, wo diese Geborgenheit zu finden ist.
Aspekte sind wie Landschaften:
manchmal steil, manchmal dunkel, manchmal rau.
Aber genau darin liegt auch eine Kraft, die uns mitgegeben wurde.
Bei der Moral Injury geht es nicht darum, diese Landschaften umzubauen, sondern sich ihrer bewusst zu werden.
Das allein ist schon ein entscheidender Schritt.
Das bewusste Kennenlernen der eigenen Aspekte ist ein Akt der Selbstermächtigung.
Auch Lilith
gehört in diesen Zusammenhang. Sie steht für alles – für Gut und Böse, für Yin und Yang, für Mann und Frau.
Nichts wird beurteilt. Und genau das ist bei der Moral Injury entscheidend: keine Beurteilung.
Es wird nur sichtbar gemacht und im Sichtbarwerden liegt bereits die Bewegung in die Lebendigkeit.
All das, was im Rahmen einer moralischen Verletzung stattgefunden hat, hat eine Daseinsberechtigung.
Im zweiten Teil dieser Serie geht es um Sexualität im Kontext der Moral Injury.


