– warum es nicht wirklich um die Zentimeter geht
Der Vergleich ist der Tod
Das, was der eine klein nennt, ist für den nächsten ganz normal.
Wir könnten stundenlang über Zahlen reden, über Durchschnittswerte zwischen zehn und zwanzig Zentimetern.
Aber eigentlich geht es nie um die Zentimeter selbst. Es geht um den Vergleich.
Der Vergleich mit anderen Männern, in der Realität, auf dem Bildschirm, in den Köpfen.
Das, was uns die Medien zeigen, hat mit der Realität herzlich wenig zu tun.
Was wirkt denn dann eigentlich in uns?
Die Angst, bewertet zu werden.
Die Angst, nicht gut genug zu sein.
Aus dieser Angst heraus fangen wir an, uns zu schützen.
Wir messen nach, evtl. immer wieder, um sich in Sicherheit zu wiegen.
Wir vermeiden Nähe. Und wenn wir intim werden möchten, spielt der Körper nicht so mit wie wir es gerne hätten.
Da der Kopf schon längst in der Angst gefangen ist.
Und wenn sich dann Erektionsprobleme dazugesellen, verfestigt sich das Muster.
Das Hamsterrad, in dem wir dann stecken, dreht sich weiter.
Bis am Ende scheinbar nur ein Ausweg bleibt: bloß keine Nähe mehr.
Ich halte das für keine gute Lösung, auch wenn es natürlich völlig in Ordnung ist, wenn jemand bewusst ohne Sexualität leben möchte.
Kommunikation ist der Schlüssel.
Nicht Technik, nicht Tempo, nicht irgendeine Zahl.
Sondern die Fähigkeit, mit dem Menschen, dem wir uns öffnen, wirklich ehrlich zu sprechen.
Und genau das haben die wenigsten von uns gelernt. Wir wissen selten, was unser Gegenüber erregt, weil wir uns nie getraut haben zu fragen.
Wir wiederholen Dinge, die irgendwann mal funktioniert haben, ohne zu prüfen, ob sie uns selbst überhaupt gefallen, oder ob wir sie nur übernommen haben.
Sei es aus einem Film, von einem Freund, aus reiner Gewohnheit.
Emotionale Sicherheit entsteht nicht von allein, sie entsteht, weil wir sie uns gegenseitig geben, immer wieder aufs Neue.
Bedürfnisse des anderen wirklich verstehen
Zuerst müssen wir unsere eigenen kennen.
Das klingt zwar einfach, ist es aber in der Realität leider nicht.
Die meisten von uns haben von klein auf gelernt, sich anzupassen, die eigenen Wünsche zurückzustellen, bevor sie überhaupt bewusst wurden.
Ein ehrliches Hinschauen in die eigene Tiefe, kann sehr hilfreich sein, denn dort liegen auch unsere sexuellen Prägungen.
Reden statt verschweigen
Wir haben es einfach nie gelernt, über das zu sprechen, was im Verborgenen unserer Sexualität liegt.
Es sind Tabuthemen für die wir uns schämen.
Das ist kein gutes Gefühl und deshalb gehen wir dort auch gerne in die Vermeidung.
Sprich aus, was dir gerade durch den Kopf geht.
Auch wenn es ist: Ich habe einen kleinen Penis, und ich komme damit nicht klar. Oder:
Ich habe Angst, dich nicht befriedigen zu können.
Das auszusprechen braucht Mut!
Aber in genau diesem Mut liegt eine wunderschöne Chance, dass dein Gegenüber sich dir zuwendet, dass daraus etwas ganz Zartes wachsen kann.
Ein gemeinsames Fragen: Was liegt unter deiner Scham?
Wovor fürchtest du dich eigentlich und was würde dir Sicherheit geben?
Wir dürfen nicht einfach annehmen, dass sich der andere genauso sicher fühlt wie wir selbst.
Es braucht immer das Gespräch, um wirklich dort anzukommen… in eine wahre Begegnung.
Du kannst nur gewinnen
Entweder merkst du, dass du einem Menschen begegnet bist, der dich versteht und mit dir mitgeht.
Oder du merkst, dass die Kommunikation nicht trägt und dann weißt du wenigstens, woran ihr beide arbeiten müsstet oder, dass es einfach nicht passt. Auch das ist ein Geschenk.
Und liebe Männer, unter uns gesagt:
Wenn ihr euch mal wieder vergleicht oder heimlich mit euch selbst hadert, dann probiert stattdessen mal die Ehrlichkeit.
Selbst wenn du wirklich denkst, dein Penis sei klein, dann sag es einfach.
Sag: Ich habe einen kleinen Penis, und ich stehe dazu.
Denn kleine Penisse gibt es, und das macht sie nicht schlechter.
Genauso wie es Frauen gibt, deren Vagina nicht besonders lang ist, so gerne wir alles in unserer Welt vermessen und standardisieren würden.
Wenn du also einen kleineren Penis hast, bist du für genau diese Frauen eine wundervolle Bereicherung.
Welche Frau mit einem kürzeren vaginalen Gang möchte schon einen zwanzig Zentimeter langen Penis?
Der Mythos, alle Frauen würden sich lange, dicke Penisse wünschen, ist genau das: ein Mythos!
Auch mit einem kleinen Penis lässt sich eine wundervolle, erfüllte Sexualität leben.
Penisgröße spielt eine Rolle
Ehrlichkeit gilt genauso für uns Frauen. Ich bin selbst eine Frau, und ich sage euch ganz klar: „die Penislänge spielt eine Rolle.“
Ob das am Ende die Erfüllung verhindert, ist immer individuell.
Aber dass sie eine Rolle spielt, dazu dürfen wir stehen.
Vielleicht braucht es für dich eher etwas mehr Umfang als Länge.
Vielleicht liegt dir penetrativer Sex ohnehin nicht so sehr.
Wenn du eine Frau bist, für die Penetration ein wichtiger Teil deiner Sexualität ist und der Penis passt einfach anatomisch nicht, dann darfst du das aussprechen.
Ohne dir selbst Vorwürfe zu machen und ohne dem anderen welche zu machen.
Manchmal passt es einfach nicht! Und das ist in Ordnung.
Wichtig ist nur, dass wir ehrlich bleiben. Uns selbst gegenüber und dem anderen gegenüber, statt aus Angst vor verletzten Egos etwas vorzuspielen.
Männer spüren das ohnehin, auch wenn sie es manchmal wegdrücken, weil so viel Leistungsdruck auf ihnen lastet.
Gehen wir wirklich in die ehrliche Kommunikation, nehmen wir den Männern, aber auch uns Frauen, ein großes Stück dieses Drucks.
Und falls du als Mann, mehr als einmal gehört hast, dein Penis sei zu klein, dann sag ich dir hier: Das ist kein Urteil über dich als Mensch.
Es gibt genügend Frauen auf dieser Welt die dafür dankbar sind und dir sagen werden: Gott sei Dank ist er kleiner als der Durchschnitt, weil ein etwas längerer Penis für sie schlicht unangenehm ist.
Ehrliche Kommunikation bleibt der Schlüssel, in jedem Bereich unseres Lebens, nicht nur hier.
Wir haben es nur nie so gelernt. Jeden Tag hadern wir mit unseren Ängsten und „hoffentlich mag mich mein Gegenüber“.
Aber wir dürfen es uns gegenseitig zeigen. Schritt für Schritt. Gespräch für Gespräch. Begegnung für Begegnung.


