Welche Rolle spielt die Periode?
Für die meisten von uns beginnt die Geschichte mit der Periode nicht mit Wissen, sondern mit Verwaltung.
Irgendwann zwischen dem 10. und dem 16. Lebensjahr setzt sie ein.
Schon dieser Unterschied von wenigen Jahren kann sich anfühlen wie eine andere Welt.
Wer mit zehn oder elf seine erste Periode bekommt, während die Freundinnen noch nicht so weit sind, fühlt sich damit schnell allein.
Je nachdem, wie offen die eigene Mutter oder das eigene Umfeld für dieses Thema ist, muss man seinen Weg allein finden oder am besten mit Unterstützung.
Die Aufklärung
Ein Stückchen weiter sind wir inzwischen, was die Aufklärung rund um die Periode angeht.
Aber es wird uns viel mehr Fortschritt suggeriert, als tatsächlich da ist.
Wie lange hat es zum Beispiel gedauert, bis der gesamte Aufbau der Klitoris überhaupt korrekt in medizinischen Lehrbüchern beschrieben wurde?
Das auch erst, weil eine Studentinnenbewegung es eingefordert hat.
Der weibliche Körper wurde über Jahrhunderte seziert und erforscht, aber selten, um Frauen aufzuklären.
Meistens ging es um Kontrolle, um Macht, um eine Vorstellung von Normalität, die selten weiblich gedacht war.
Gebärmutter raus, Brust weg. All das galt lange als unproblematisch.
Beim männlichen Körper wurde viel vorsichtiger hingeschaut.
Diese Schieflage zieht sich durch unsere Geschichte, und sie wirkt bis in den Alltag hinein, in dem wir heute leben.
Produktereise
Immerhin hat sich bei den Hygieneprodukten einiges bewegt und es lohnt sich, für dich herauszufinden, was zu deinem Körper passt.
Die Menstruationstasse
eignet sich am besten, wenn der Blutfluss schon richtig eingesetzt hat.
Am Anfang der Periode, wenn alles noch etwas trockener und bräunlicher ist, fehlt oft die Feuchtigkeit, um sie angenehm einzuführen.
Periodenunterwäsche
ist eine gute Alternative, waschbar, wiederverwendbar. Auf Dauer günstiger als sie zunächst wirkt.
Binden mit Duftstoffen solltest du eher meiden, sie reizen die vaginale Flora unnötig.
Wenn du Tampons benutzt, machen Varianten mit Silk-Touch-Beschichtung das Einführen deutlich angenehmer, besonders wenn du gerade noch schwach blutest.
Es braucht Zeit, das eigene Produkt und die eigene Anwendung zu finden und das darf ein Prozess sein.
Ein Thema, das kaum besprochen wird, aber viele junge Mädchen betrifft, ist der respektlose Umgang mit der Periode in der Schule und auch in öffentlichen Toilette.
Halb offene Kabinen ohne viel Privatsphäre. Fehlende Entsorgungsmöglichkeiten in der Toilette. Geschweige denn vernünftige Reinigungsmöglichkeiten.
Das führt dazu, dass sich viele Mädchen und Frauen bloßgestellt fühlen, sobald sie ihre Binde oder ihren Tampon entsorgen müssen.
Die Pille
Eng mit der Periode verknüpft ist auch die Pille.
Es gab lange eine Zeit, in der es fast schon zum guten Ton gehörte, die eigene Pillenmarke zu vergleichen wie ein Modeaccessoire.
Ärzte haben diesen Trend bereitwillig unterstützt, denn nichts lässt sich einfacher verschreiben als die Antibabypille.
Egal ob es um Migräne, Krämpfe, Verdauungsprobleme oder Stimmungsschwankungen geht.
Über Jahrzehnte wurde uns nahegelegt, dass all diese Beschwerden einfach normal seien und die Pille die logische Lösung dafür ist.
Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen:
Wenn du die Pille über längere Zeit genommen hast und absetzt, kann es Monate dauern, bis sich dein Zyklus wieder von selbst reguliert.
Diese Zeit ist kein Rückschritt, sondern der Moment, in dem du deinen eigenen Körper wirklich kennenlernst. Der weibliche Körper gehört dem Mondzyklus an.
Du darfst nach diesem Zyklus leben, ohne dich von Außen verunsichern oder gar unter Druck setzten zu lassen, dass du irgendeine Leistung erbringen müsstest.
Unser Winter
Und dabei zeigt sich oft etwas Entscheidendes:
Viele Beschwerden hängen nicht in erster Linie mit der Periode selbst zusammen, sondern mit den Lebensumständen, in denen du gerade steckst.
Wenn du unter viel Stress stehst und dann in deinen sogenannten „Winter“ kommst, verstärkt sich meist alles.
Wer in dieser Phase bewusst das eigene Tempo drosselt, erlebt häufig deutlich weniger Krämpfe und Beschwerden.
Wir sind Zykluswesen, und das bedeutet: Wir können und sollen nicht in jeder Phase gleich viel leisten.
Im Winter darfst du dich zurückziehen. Im Frühling fährst du langsam wieder hoch.
Im Sommer bist du im Überschuss, im Herbst trägst du diese Energie noch ein Stück weiter, bevor der Kreis sich wieder schließt.
Das ist keine Ausrede für keine Leistung erbringen zu müssen, sondern das ist Physiologie.
Es lohnt sich, kritisch zu hinterfragen, an welcher Norm wir eigentlich gemessen werden.
Ob in der Arbeitswelt, in der Schule, in Medikamentenstudien oder sogar bei Crash-Test-Dummys, die überwiegend nach männlichen Körpermaßen entwickelt wurden.
Viele Frauen liefern ein Vielfaches der geforderten Leistung, nur um überhaupt annähernd als gleichwertig zu gelten.
Zudem müssen wir damit klar kommen, dass der eigene Körper Monat für Monat rebelliert. Was entsteht, ist ein Kreislauf von Selbstvorwürfen.
Verhütung
Kondome sind sicher, wenn sie richtig angewendet werden und genau das ist der entscheidende Punkt.
Die richtige Anwendung sollte geübt sein, bevor es in einer aufgeladenen, nervösen Situation mit einer anderen Person darauf ankommt.
Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ein Mann das können sollte, bevor er Geschlechtsverkehr hat.
Für Frauen gilt: Es ist völlig legitim, genau hinzuschauen, ob der Partner es richtig macht.
Nicht aus Misstrauen, sondern schlicht, weil vier Augen mehr sehen als zwei und weil die Konsequenzen bei einer Verhütungspanne doch „etwas“ ungleich verteilt sind.
Deinen Zyklus besser verstehen
Beobachte dich. Schreib deine Periode und deine Beschwerden auf. Gern handschriftlich, das bleibt oft besser im Gedächtnis als eine App und deine Daten bleiben dabei geschützter.
Über die Jahre wirst du merken, dass es neben deinem monatlichen Zyklus auch einen Jahreszyklus gibt, einen Zyklus im Zyklus.
Wenn du das nächste Mal Beschwerden hast, lohnt sich der Blick nicht sofort zur Tablette, sondern zuerst in dein Leben:
Was stresst dich gerade? Wo steckst du in einem inneren Konflikt?
Die Periode ist keine Einschränkung, sie ist eine Ressource.
Sie führt dich in Phasen der Innenschau und trägt dich in anderen Phasen zu enormem Wachstum, zu echter Schöpferkraft.
Das ist die Energie, die wir mit Lilith verbinden: Urschöpferkraft, pure Lebendigkeit, die durch den weiblichen Körper ins Leben tritt.
An die Männlichkeit
Und wenn du, als Mann, eine Partnerin an deiner Seite hast oder eine Tochter, die gerade in ihre Periode hineinwächst:
Du darfst sie in jeder Phase unterstützen.
Wenn sie in ihrem Sommer voll in ihre Schöpferkraft geht, darfst du das bewundern.
Und wenn sie sich im Winter zurückzieht, um Kraft zu schöpfen, darfst du auch das halten, ohne es als Ablehnung zu deuten.
Genau darin liegt eine stille, aber kraftvolle Form von Unterstützung, jemand anderen in seiner vollen Lebendigkeit zu tragen.


